Redebeitrag zur gemeinsamen Aktion der saarländischen Initiativen am Internationalen Tag der Armut 17. Oktober 2006

Redner: Harald Kreutzer, Vorstand UNIversal eine Welt AG www.universal.de.vu

 

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Verehrte Mitbürger,

In den letzten Tagen der Vorbereitung auf den Internationalen Tag der Armut hatte ich mich gefragt, wie die Menschen wohl auf diese Veranstaltung reagieren. Ob das Thema sie interessiert, ob sie überhaupt jemals etwas von den Milleniums-Zielen gehört haben. Eine Umfrage unter meinen sonst ziemlich gut informierten Bekannten führte dazu, dass niemand so recht etwas mit dem Begriff Millenium Entwicklungsziele anfangen konnte.

Deshalb haben wir, die saarländischen Initiativen uns heute hier versammelt, um am Tag der Internationalen Armutsbekämpfung in Zusammenarbeit mit dem VENRO (Verband Entwicklungspolitik der Deutschen NROs) und der weltweiten Kampagne „Global call to Action against Poverty“ auf die Einhaltung der Millenium Entwicklungs Ziele aufmerksam und Mut zur Verwirklichung zu machen. Die Chance ist günstig, da Deutschland im nächsten Jahr nicht nur den Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft inne haben wird, sondern auch der G8-Gipfel im nächsten Jahr in Deutschlang stattfinden wird. DIE Chance, um von deutscher Seite innerhalb der internationalen Staatengemeinschaft für eine schnellere Umsetzung der Milleniumsziele zu werben.

Was sind die Milleniums Entwicklungsziele?

1. den Anteil der Weltbevölkerung, der unter extremer Armut und Hunger leidet, halbieren

2. allen Kindern eine Grundschulausbildung ermöglichen

3. die Gleichstellung der Geschlechter fördern und die Rechte von Frauen stärken

4. die Kindersterblichkeit verringern

5. die Gesundheit der Mütter verbessern

6. HIV/AIDS, Malaria und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen

7. den Schutz der Umwelt verbessern

8. eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufbauen

Es gibt Fortschritte, ja, das Bundesministerium für Zusammenarbeit spricht optimistisch davon, dass bei Punkt 1 ein Erreichen der Ziele möglich wäre. In vielen Bereichen stagniert jedoch die Entwicklung, oder die Entwicklungen sind sogar rückläufig. Nach dem Bericht über die menschliche Entwicklung 2005 der UN sind die Fortschritte bei der Verwirklichung der Milleniums-Entwicklungs-Ziele wortwörtlich deprimierend.

Ein besonderer Focus gilt dem afrikanischen Kontinent. Kritiker sagen, dass bei Beibehaltung des gegenwärtigen Entwicklungstempos der afrikanische Kontinent das Ziel der Armutshalbierung nicht im Jahr 2015, sondern erst im Jahr 2147 erreichen wird..

Wenn die Weltgemeinschaft sich nicht verstärkt für ihre Mitmenschen interessiert, wird es auch noch im Jahr 2015 so sein, dass die momentan erschreckenden Statistiken sich nur unwesentlich verbessert haben werden.

 

  • Täglich sterben allein an den Folgen von Hunger und Unterernährung 24.000 Menschen weltweit.
  • Mehr als 860 Millionen Menschen können nicht lesen und schreiben.
  • In den ärmsten Ländern ist eine Schwangerschaft lebensgefährlich: Eine von 48 Frauen stirbt bei der Entbindung.
  • Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
  • Jährlich sterben elf Millionen Kinder an vermeidbaren Krankheiten.

 

Ein Umsteuern beispielsweise im Bereich Bildung ist notwendig. Was in Deutschland dieser Tage über die Armut in Deutschland diskutiert wird, gilt auch weltweit.

 

Die Einschulungsraten sind beispielsweise:

Karibik 97 %

Ostasiatischer Raum: 100 %

Afrika südlich Sahara:  62

Quelle: BMZ

 

Gegen Armut hilft Bildung.

Leider verkennen viele arme Staaten, dass die Investition in die eigene gebildete Bevölkerung mithelfen kann das gesamte Land voranzubringen. Menschen, die nicht mal Lesen und Schreiben können, sind nur bedingt vorbereitet neues Wissen aufzunehmen, welches über die Grenzen des Dorfes hinausgeht, da weder eine Zeitung gelesen werden kann mit den neuesten Entwicklungen in der Landwirtschaft, noch kann in der Zeitung nachgelesen werden, welche gute oder schlechte Maßnahme die Regierung des Landes durchführt.

Zahlreiche Beispiele der Vergangenheit zeigen, dass eine höher gebildete Bevölkerung durch die Schulbildung von der Grundschule bis zum Vorhandensein von gut ausgestatteten Universitäten dem Land einen Wachstumsschub zu geben vermögen. Manchmal scheitert dies jedoch daran, dass der Staat in nicht entwickelten Ländern manchmal kein ehrliches Interesse an der Bildung seiner Bevölkerung hat, denn gebildete Bürger sind auch anspruchsvollere Bürger, da diese ihre Recht nachlesen und auch einfordern können, indem sie sich organisieren. Ein Mensch, der weder Lesen noch Schreiben kann könnte ja nicht mal ein Flugblatt mit Forderungs-Texten füllen, geschweige denn, dass die Benachteiligten, die es betrifft diese Forderungen lesen und verstehen könnten.

Wir fordern daher eine Umsetzung des Milleniums-Ziels Bildung und zumindest die Umsetzung des Milleniums-Ziels der hunderprozentigen Möglichkeit Teilnahme von Kindern an Primärschulbildung weltweit.

 

Ich möchte nun das Wort weitergeben an meine geschätzten Kollegen von den beteiligten saarländischen Initiativen und bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit!